
Mit Puck, Pass und «un peu de français» im Rucksack wechselt Vinzenz Rohrer vom ZSC zu den Montréal Canadiens.
Vinzenz Rohrer, die Nummer 9 der ZSC Lions, steht kurz vor seinem Wechsel zu den Montréal Canadiens. Fürs kanadische Eisfeld ist der junge Stürmer bereit – doch wie steht’s um sein Französisch?
Kurz vor dem Sprung nach Kanada haben wir es noch zu den Lions geschafft. Der Grund für die Aufregung? Beim Stürmer Vinzenz Rohrer steht der Wechsel zu den Montréal Canadiens bevor. Um sich auf das frankophone Kanada einzustimmen, hat er in den letzten fünf Monaten bei Benedict an seinen Französischkenntnissen geschliffen. Im Interview erzählt er, was Erfolg für ihn bedeutet, welche Momente bei den ZSC Lions unvergesslich bleiben und was er in Kanada am meisten vermissen wird.
Wie bist du eigentlich zum Eishockey gekommen?
Mein Vater war professioneller Tennisspieler und hat nach seiner Tenniskarriere mit Eishockey begonnen. Mein älterer Bruder rückte dann mit dem Hobby nach. Und danach war ich an der Reihe. Ich bin dann als 12-Jähriger das erste Mal nach Zürich gekommen. Damals kam auch Marco Rossi nach Zürich, ein Kolleg aus Österreich, der drei Jahre älter ist als ich. Bei ihm lief es super. Mir wurde klar, wenn ich den nächsten Step machen möchte, dann muss ich in die Schweiz. Das ist nun schon neun Jahre her.
Was waren deine schönsten Momente im Eishockey?
Als Erstes kommen mir der Meistertitel und die Champions Hockey League, die wir letzte Saison im 2025 gewonnen haben, in den Sinn – zwei so wichtige Siege im selben Jahr ist etwas sehr Besonderes. Was mir ebenfalls einfällt, ist der Meistertitel im 2024 – für mich war es der erste Profimeistertitel. Das war schon mega speziell. Ansonsten kommt mir auch die WM 2025 in den Sinn, wo ich in der österreichischen Mannschaft spielte. Da hat es Österreich zum ersten Mal seit über 30 Jahren ins Viertelfinal geschafft. Das war ein sehr cooler Moment – wir hatten einen sehr engen Zusammenhalt in der Mannschaft.
Du wechselst den Club und hast deshalb bei Benedict einen Sprachkurs besucht. Fühlst du dich ready für die französischsprechenden Montréal Canadiens?
Der fünfmonatige Kurs hat mir sicher geholfen, die Grundbasics zu lernen. Die Privatlektionen bei Benedict habe ich meist nach dem Training besucht. Da ich Anfänger bin, sind wir ganz klassisch nach Lehrbuch gegangen – bei mir war es Niveau A1 und A2. Da sie in Kanada ein etwas anderes Französisch sprechen, kann ich jedoch nicht so gut einschätzen, wie ich mich durchschlagen werde.
“Erfolg bedeutet für mich Joy.”
Was gefällt dir an der französischen Sprache?
Ich wollte schon immer eine Sprache erlernen und bin immer zwischen Spanisch und Französisch geschwankt. Französisch hatte nun aufgrund des Wechsels nach Montréal Priorität. Ich finde es eine schöne Sprache, wenn man sie wirklich fliessend spricht. Was ich anfangs schwierig fand, war die richtige Aussprache. Damit hatte ich ziemlich Mühe. Aber irgendwann habe ich ein Gefühl für die richtige Aussprache bekommen.
Was wirst du in Kanada am meisten vermissen?
Ich denke, am meisten werde ich mein engeres Umfeld vermissen – meine Kollegen und meine Familie. Und das Essen meiner Oma in Österreich. Ich denke, das sind die Sachen, dir mir während der Saison jeweils Halt geben. Aber Kanada hat bestimmt andere coole Sachen zu bieten.
Vinzenz Rohrer - Erfolgsmomente im Eishockey
Vinzenz Rohrer spielt seit 2023 bei den ZSC Lions im Angriff. Zu seinen grössten Erfolgen zählen die Meistertitel 2024 und 2025 sowie der Gewinn der Champions Hockey League 2025. Mit ihm in der Nationalmannschaft erreichte Österreich bei der WM 2025 erstmals seit über 30 Jahren das Viertelfinale.
War es ein Dilemma, als Österreicher an der WM 2025 gegen die Schweiz zu spielen?
Nein, gar nicht. Eishockey ist für mich sehr stark an die Schweiz gebunden – auch wenn ich gebürtiger Österreicher bin. Ich spiele ja auch schon, seit ich 12 Jahre alt bin in der Schweiz. Das Eishockey und die Schweiz sind so stark in mir verankert, deshalb war da nie ein Konflikt.
Unser Motto lautet „Erfolg ist lernbar“. Wie definierst du für dich Erfolg?
Wie ich Erfolg definiere? (lacht und überlegt). Das ist eine gute Frage. Für mich bedeutet Erfolg, wenn ich glücklich bin. Das hat jetzt aber nicht unbedingt so viel mit Eishockey zu tun. Erfolg ist, dass ich "Joy" fühle, dass ich Freude empfinde, glücklich bin und eine gute Zeit habe. Ich glaube, dass der Erfolg im Eishockey dann automatisch kommt. Für mich muss Erfolg nicht unbedingt an eine berufliche oder sportliche Leistung gebunden sein.
Wo siehst du dich in den nächsten Jahren?
Auch das ist bei mir ein spezielles Thema. Ich kann es nicht so recht sagen, denke aber, dass es in eine ähnliche Richtung wie bei der Definition von Erfolg geht. Ich möchte einfach glücklich sein – jetzt und auch in fünf Jahren. Ob das nun der Durchbruch in Kanada ist oder hier in Zürich, ob das etwas ganz anderes ist, weiss ich jedoch nicht. Ich lasse es auf mich zukommen. Grundsätzlich möchte ich einfach happy sein.
Ready für das frankophone Kanada?
Um sich sprachlich auf seine neue Mannschaft, den Montréal Canadiens, vorzubereiten, besuchte Vinzenz Rohrer Privatlektionen an der Benedict Schule in Zürich.
Und jetzt ein kleiner Test, weil wir ja wissen, dass du fleissig Französisch gelernt hast.
Oh je, das ist meine grösste Angst, wenn ich in Kanada ankomme. Die neue Mannschaft der Montréal Canadiens weiss, dass ich vorher Französisch gelernt habe und die Erwartungen sind hoch (lacht).
“Puck auf Französisch? Rondelle? Noch nie gehört. Das steht nicht in meinem A1-Lehrbuch, haha.”
Angenommen du bist in der Garderobe und möchtest fragen, wer deinen Schläger geklaut hat.
Und jetzt willst du, dass ich das übersetze? Wer hat meinen Schläger geklaut? (lacht) Das erste, was mir auffällt, ist die Vergangenheitsform – "wer hat geklaut". Ich glaube, das stand ebenfalls nicht in meinem A1-Lehrbuch, haha.
Und jetzt diesen Satz: Heute ist es wirklich sehr kalt auf dem Eis.
"Heute" weiss ich, aujourd’hui. "Kalt" sollte ich auch wissen – froid. "Sehr"? Muy auf Spanisch. (lacht) Auf Französisch sollte ich es auch wissen, oh mein Gott. Hilfe, das ist meine grösste Angst, dass das passiert. Ist das denn auch alles wirklich auf A1-Level?
Vinzenz Rohrer
Vinzenz Rohrer (9. September 2004 in Rankweil, Österreich) ist ein österreichischer Eishockey-Stürmer.
Nach zwei erfolgreichen Jahren bei den Ottawa 67’s in der kanadischen OHL (Ontario Hockey League) wechselte er 2023 zu den ZSC Lions, mit denen er im 2024 und 2025 die Schweizer Meisterschaften und im 2025 die Champions Hockey League gewann. Mit der österreichischen Nationalmannschaft spielte er unter anderem an der WM 2025.
2022 von den Montréal Canadiens gedraftet, unterschrieb er 2025 einen Dreijahresvertrag in der NHL (National Hockey League).