Mit Herz für Lernende: Monika Kienast über ihre Arbeit als Praktikumsbetreuerin bei Benedict.
Seit fast zwanzig Jahren begleitet Monika Kienast Lernende auf ihrem Weg in die Berufswelt. Als Praktikumsbetreuerin an der Benedict Schule in Zürich erlebt sie hautnah, wie junge Menschen wachsen, Herausforderungen meistern und ihren Platz finden. Im Gespräch erzählt sie, was ihre Arbeit so besonders macht, wo sie Fingerspitzengefühl braucht und weshalb sie auch nach all den Jahren mit ganzem Herzen dabei ist.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Praktikumsbetreuerin aus?
Als Praktikumsbetreuerin ist jeder Tag anders als der vorherige – das macht meine Arbeit so spannend. Neben meiner Haupttätigkeit als Praktikumsvermittlerin und -betreuerin an der Benedict erledige ich viele Arbeiten als Sachbearbeiterin für die schulisch organisierte kaufmännische Grundbildung und die Berufsmatur BM2; diese Aufgaben sind relativ gut planbar. Die Vermittlung läuft jedes Jahr etwa gleich ab. Die Praktikumsbetreuung beinhaltet sowohl die Betreuung der Lernenden als auch der Partnerbetriebe, die Praktikumsplätze anbieten. Letzteres ist der am wenigsten vorhersehbare Teil meiner Arbeit. Das macht meinen Arbeitsalltag besonders interessant.
Was gefällt dir an deiner Arbeit als Praktikumsbetreuerin?
Am meisten gefällt mir die Begleitung der Lernenden über die drei Ausbildungsjahre. Es ist oft eine Freude zu sehen, wie sie sich während der Ausbildung entwickeln. Das einzelne Schuljahr ist im Ablauf ähnlich; spannend sind für mich die Lernenden, die immer wieder neu dazukommen.
Kaufmännische Grundbildung mit EFZ.
Die schulisch organisierte Grundbildung zur Kauffrau bzw. zum Kaufmann EFZ ist eine gleichwertige Alternative zur klassischen Berufslehre. Sie dauert drei Jahre und verbindet die schulische Ausbildung mit einem bezahlten Vollzeitpraktikum. Die Grundbildung wird mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen.
Was sind die grössten Herausforderungen in deiner Tätigkeit?
Eine der grössten Herausforderungen sind die drei Monate Probezeit von Februar bis April. Viele Lernende machen im Praktikum ihre ersten Arbeitserfahrungen und erleben den Einstieg in die Arbeitswelt manchmal als sehr stressig und überfordernd. Dann erhalte ich Mails oder Anrufe, in denen der Wunsch geäussert wird, die Stelle sofort wechseln zu dürfen. In solchen Situationen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Oft hilft ein Gespräch, in dem ich den Lernenden gut zuhöre und herausfiltere, wo genau das Problem liegt. Meistens können wir die Lernenden so auffangen, dass sie merken, dass die auf den ersten Blick grossen Probleme lös- und überwindbar sind.
Welche Eigenschaften braucht es für deinen Job als Praktikumsbetreuerin?
Die Fähigkeit, sich zu vernetzen und gerne mit Menschen zu arbeiten, erachte ich als zentrale Eigenschaften für meine Arbeit. Die Verantwortung gegenüber den Lernenden als Hauptberufsbildnerin ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Wir sind von Amtes wegen dafür verantwortlich, dass unsere Lernenden eine qualitativ gute Praktikumsstelle für die betriebliche Ausbildung erhalten. Die Praxisbildner:innen stehen ebenfalls in regem Austausch mit mir und besuchen jährlich eine Schulung, an der ich die wichtigen Punkte mit ihnen durchgehe und Veränderungen kommuniziere. Ein regelmässiger Besuch in den Praktikumsfirmen gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben als Praktikumsbetreuerin.
Wie unterscheidet sich die heutige Jugend im Vergleich zu vor zehn oder zwanzig Jahren?
Die Lernenden sind im digitalen Bereich fit, zumindest was die neueren Medien angeht. Das Erstellen der Bewerbungsunterlagen geht etwas leichter von der Hand als früher. Mit der neuen Reform sind auch Projektagilität, Flexibilität und der Mut, Neues anzugehen, stärker in den Fokus gerückt. Diese Eigenschaften hätte ich den Jugendlichen vor zehn oder zwanzig Jahren nicht ohne Weiteres zugeschrieben.
KV-Reform mit Fokus Handlungskompetenzen.
Die KV-Reform Kaufleute 2023 richtet seit August 2023 die kaufmännische Grundbildung stärker auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt aus. Im Zentrum stehen heute Handlungskompetenzen wie Kommunikation, Selbstständigkeit und vernetztes Denken statt reines Fachwissen. Zudem wurde die Ausbildung praxisnäher, digitaler und flexibler gestaltet. Die Reform wurde gemeinsam von Branchenorganisationen (z. B. BIKAS), Bund und Kantonen entwickelt.
Gibt es auch weniger erfreuliche Aspekte im Vergleich zu früher?
Was mir auffällt, ist, dass viele Jugendliche in Problemsituationen nicht mehr adäquat reagieren können. Es wird sofort die Schuldfrage gestellt, und es sind nie die Lernenden, sondern immer die anderen. Sie können oft auch nicht einschätzen, mit welchem Problem sie sich an wen wenden sollen. Das kann zur Folge haben, dass sie bei Auseinandersetzungen untereinander direkt zu meinem Vorgesetzten kommen, statt die Hierarchiestufen zu durchlaufen.
Wie hast du dich in diesen zwanzig Jahren als Praktikumsbetreuerin weiterentwickelt?
Ich habe vor allem gelernt, zuzuhören. Aktives Zuhören, vor allem bei den Lernenden, führt oft dazu, dass sie – wenn ich die richtigen Fragen stelle – selbst eine Lösung finden. In den Anfängen meiner Arbeit neigte ich eher dazu, meine eigenen Lösungsideen zu präsentieren. Was sich ebenfalls sehr entwickelt hat, ist mein Netzwerk. In meinem Job lerne ich sehr viele Leute kennen, was ich als sehr positiven Effekt empfinde.
“Die Erfolgsgeschichten, die mich am meisten berühren, sind oft nicht die der Lernenden, die die Grundbildung ohne grosse Probleme durchlaufen.”
Monika Kienast, Praktikumsbetreuerin Benedict Schule Zürich
Zu deinen Aufgaben gehört auch das Bewerbungscoaching. In welcher Form findet es statt?
Das Bewerbungscoaching gliedert sich in zwei Teile und startet Ende des zweiten Ausbildungssemesters mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen. Neben dem Zusammenstellen der Lebensläufe lernen die Schülerinnen und Schüler, wie man sich auf die Gespräche mit den Firmen vorbereitet, die am Speed Recruiting teilnehmen – etwa durch Recherche und das Üben von Vorstellungsgesprächen. Anfang des dritten Semesters findet dann das Speed Recruiting statt. Die Lernenden schätzen das Coaching, auch weil es die Nervosität vor den Vorstellungsgesprächen reduziert. Für viele ist dies eine neue Situation, und wir wollen niemanden ins kalte Wasser werfen.
Wie hat sich das Speed Recruiting in den letzten Jahren entwickelt?
Das Speed Recruiting ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen. Im Jahr 2025 haben über 30 Firmen mit mehr als 40 Stellenangeboten teilgenommen. Wir haben Betriebe, die seit Beginn dabei sind und sehr begeistert sind.
Aus welchen Branchen kommen die Unternehmen, die Praktikumsplätze anbieten?
Wir haben Partnerbetriebe aus sehr unterschiedlichen Branchen: Treuhand, Versicherungen, Transportunternehmen, Garagen, Stellenvermittlungsbüros oder Produktionsbetriebe. Die Palette reicht von Kleinst- über mittlere bis hin zu Grossunternehmen wie Spitälern und Gesundheitszentren oder Grossverteilern, die uns jedes Jahr mehrere Praktikumsstellen anbieten.
“Ich finde es sehr inspirierend, mit jungen Menschen zu arbeiten, die noch in der Ausbildung sind. Ihre Neugier und Begeisterung bringen frischen Wind ins Unternehmen.”
Elias Schibli, Klapp, nimmt seit 2019 am Speed Recruiting der Benedict teil
In fünf Minuten zur Praktikumsstelle.
Das Speed Recruiting an der Benedict wurde 2016 von Monika Kienast und Jan Rzejak, ebenfalls Praktikumsbetreuer, ins Leben gerufen. Einmal jährlich werden verschiedene Praktikumsanbieter eingeladen. Die Lernenden haben an diesem Anlass die Möglichkeit, sich an einem Tag bei rund xxx Firmen in jeweils fünfminütigen Kurzgesprächen vorzustellen. Nach dem offiziellen Teil werden die Gespräche beim Apéro weitergeführt.
Was ist eine Erfolgsgeschichte, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Die Erfolgsgeschichten, die mich am meisten berühren, sind oft nicht die von Lernenden, welche die Grundbildung ohne grosse Probleme durchlaufen. Selbstverständlich freue ich mich auch für diese Lernenden, keine Frage. Aber wenn jemand zu Beginn mit Schwierigkeiten kämpft und vielleicht sogar das erste Jahr wiederholen muss, um den Weg zum Erfolg zu finden – was ab und zu vorkommt, weil viele noch sehr jung sind, wenn sie bei uns beginnen und erst etwas reifen müssen –, freut mich das am Ende umso mehr, wenn es dann zum Erfolg führt. Solange ich an der Diplomfeier im Sommer bei den vielen strahlenden Gesichtern immer noch die Tränen in den Augen habe und nach dem offiziellen Teil beim Apéro mit den Lernenden, ihren Eltern und den Praxisbildner:innen aus den Betrieben auf den Erfolg der jungen Menschen anstossen kann, erfüllt mich das immer wieder mit Stolz.
Was wünschst du dir für deine weitere Tätigkeit bei Benedict?
Mein grösster Wunsch ist es, noch viele Jahre Lernende auf ihrem Weg zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (Kauffrau/Kaufmann EFZ) begleiten zu dürfen. Diese Aufgabe kostet mich mit jedem weiteren Lebensjahr etwas mehr Energie, gibt mir aber auch viel zurück, solange alles gut läuft.
Monika Kienast
Monika Kienast ist seit 2009 an der Benedict Schule in Zürich als Praktikumsbetreuerin tätig. Sie ist gelernte Köchin, bildete sich im kaufmännischen Bereich weiter und absolvierte unter anderem Weiterbildungen zur dipl. Schulverwaltungsleiterin SIB/VPZS sowie zur Direktionsassistentin mit eidgenössischem Fachausweis. Zudem verfügt sie über das SVEB-Zertifikat I, ist seit 2010 Prüfungsexpertin für das kaufmännische Qualifikationsverfahren und führt seit 2012 ihr eigenes Unternehmen, die abilez GmbH. Sie ist Mutter von zwei Kindern.