Prävention im digitalen Raum – Die Stadtpolizei Zürich zeigt, wo die unsichtbaren Gefahren lauern.
Wenn Jugendliche durch Social Media scrollen, Fotos teilen oder Chatgruppen nutzen, geschieht vieles intuitiv und manchmal unüberlegt. Um genau dort anzusetzen, führt die Stadtpolizei Zürich jedes Jahr einen Präventionsworkshop an der Benedict Schule durch. Wir haben mit Philipp Böbner gesprochen, der die Workshops begleitet und weiss, wo Jugendliche im digitalen Raum besonders gefährdet sind.
Welche Ziele verfolgt die Stadtpolizei mit ihren Präventionsworkshops zu Risiken im digitalen Raum?
Durch unsere Workshops klären wir die Teilnehmenden umfassend über sowohl offensichtliche Risiken als auch über solche Risiken auf, die unbeabsichtigt zu strafbaren Handlungen führen können. Die Stadtpolizei Zürich verfolgt das Ziel, die Schüler:innen mit einfachen Beispielen zu den jeweiligen Themen zu sensibilisieren und bestmöglich eine nachhaltige Verhaltensänderung zu bewirken.
Welche konkreten Inhalte behandeln Sie im Workshop und wie vermitteln Sie diese?
Zu Beginn sprechen wir über digitale Privatsphäre, bevor wir zum Kern des Workshops übergehen: den Gruppenarbeiten. Dabei behandeln wir vier zentrale Themenbereiche: das Recht am eigenen Bild, Cybermobbing bzw. Mobbing, Bilder und Videos mit Gewaltdarstellungen sowie sexuelle Belästigung im digitalen Raum, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln. Jede der vier Gruppen erarbeitet eines dieser Themen und präsentiert anschliessend ihre Ergebnisse vor der Klasse. Danach werden die Inhalte gemeinsam im Plenum vertieft. Zum Abschluss erfolgt eine spielerische Lernkontrolle, an der alle per Handy teilnehmen, um das Gelernte zu festigen.
Workshop "Internet und Recht"
Am 12. November 2025 besuchte die Prävention der Stadtpolizei Zürich die Benedict Schule. Philipp Böbner (im Bild) und Thomas Schlittler führten mit den Schülerinnen und Schülern der kaufmännischen Grundbildung einen Workshop zu den digitalen Gefahren im Internet durch – mit Fokus auf Cybermobbing, Recht am eigenen Bild und weiteren Risiken im Netz. Seit 2016 gehört dieser Workshop zum festen Programm der Benedict Schule Zürich.
Wie reagieren die Schüler:innen auf den Workshop?
An der Benedict Schule habe ich durchwegs nur positive Eindrücke gesammelt. Während der Gruppenarbeiten wurde intensiv diskutiert, und es kamen zahlreiche präventive Ansätze zur Sprache. Unabhängig davon, an welcher Schule wir sind, erlebe ich immer wieder, wie dankbar die Schüler:innen sind. Dies bestätigt sich auch in der Auswertung der Umfrage. Die Teilnehmenden stellen immer wieder mit Erstaunen fest, wie leicht sie sich strafbar machen können.
Welche Fragen tauchen typischerweise auf?
Diese Frage ist schwer zu beantworten, da die Schüler:innen sehr unterschiedliche Fragen stellen – sowohl zu den Workshopthemen als auch zu meinem Beruf bei der Polizei. Beim Fallbeispiel Cybermobbing und Mobbing taucht jedoch immer wieder die Frage auf, weshalb Täter:innen nicht strenger bestraft werden.
So schützt du dich vor digitalen Gefahren – 7 Tipps von der Stadtpolizei Zürich.
Digitale Privatsphäre: Stellen Sie Ihre Profile auf „Privat“, damit nicht jeder Ihr Profil einsehen kann.
Ortungsdienste: Passen Sie die Einstellungen an – statt „Immer erlauben“ besser „Nur beim Verwenden der App“ oder „Nicht erlauben“.
Inhalte hochladen: Überlegen Sie dreimal, bevor Sie etwas ins Internet stellen.
Grenzüberschreitende Inhalte: Wenn Sie z. B. im Klassenchat Mobbing oder andere Grenzüberschreitungen beobachten, schauen Sie nicht weg. Sprechen Sie es an oder bieten Sie Unterstützung an.
Informationen kritisch prüfen: Glauben Sie nicht alles, was Sie im Internet sehen oder lesen (Fake-News).
Gespräche suchen: Sprechen Sie mit einer vertrauten Person, wenn Sie etwas erleben oder sehen, dass Ihnen ein ungutes Gefühl gibt.
Digitale Balance: Verbringen Sie nicht zu viel Zeit in der digitalen Welt.
Wie schätzen Sie die Medien- und Digitalkompetenz der Gen Z generell ein?
Die Generation Z verfügt zweifellos über eine sehr hohe digitale Kompetenz – Smartphones sind heute aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig bringt die digitale Welt jedoch zahlreiche Risiken und Herausforderungen mit sich.
"Sowohl bei Schüler:innen als auch bei Lehrpersonen möchte ich das Bewusstsein für Aufklärung, Hinschauen und konsequentes Handeln im Umgang mit Mobbing und Cybermobbing stärken", so Philipp Böbner von der Prävention der Stadtpolizei Zürich.
Worauf sollten Eltern Ihrer Erfahrung nach besonders achten?
Eltern sollten ihre Kinder auf die möglichen Gefahren im Internet und bei der Smartphone-Nutzung hinweisen. Ein Smartphone sollte nicht unüberlegt und ohne grundlegende Instruktionen sowie passende Einstellungen an Kinder abgegeben werden. Bitte sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Auch ohne strafrechtliche Konsequenzen können erhebliche psychische Belastungen entstehen, die wir unbedingt vermeiden möchten.
“Bitte sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.”
Philipp Böbner, Prävention Stadtpolizei Zürich
Erkennen Sie auch bei Lehrpersonen einen Bedarf an zusätzlicher Sensibilisierung?
Selbstverständlich gibt es immer und überall Verbesserungspotenzial – insbesondere bei sensiblen Themen wie Mobbing. Wir hören dabei von guten bis sehr guten Beispielen, aber leider auch von weniger guten bis hin zu sehr schlechten.
Hat sich die Lage durch KI, Deepfakes und andere neue Technologien in den letzten Jahren verschärft?
Künstliche Intelligenz ist ein hochaktuelles Thema, das speziell im Bereich des Betrugs grosse Risiken birgt. Aber auch in Bereichen wie Mobbing oder dem Recht am eigenen Bild spielt sie eine wichtige Rolle. Zum Einstieg in den Workshop zeigen wir ein anschauliches Präventionsvideo zum Thema KI. Im Anschluss besprechen wir es gemeinsam. Dabei werden wir auch das eng damit verbundene Thema «Fake News» behandeln.
Philipp Böbner
Philipp Böbner arbeitet seit 2007 bei der Prävention der Stadtpolizei Zürich. Seit 2023 führt er an der Benedict Schule Zürich die Workshops zum Thema «Internet und Recht» durch.