Welche Gefahren lauern im digitalen Raum? Die Stadtpolizei Zürich klärt auf.

Alljährlich stattet die Stadtpolizei Zürich der Benedict Schule einen Besuch ab. Nicht mit der Mission, Strafzettel zu verteilen, sondern um Aufklärungsarbeit zu leisten. Im Rahmen diverser Workshops werden die Schüler:innen der Grundbildung auf die Gefahren im Umgang mit den digitalen Medien sensibilisiert. Thomas Schlittler von der Prävention der Stadtpolizei Zürich leitet diese Workshops und weiss, wo Nachholbedarf besteht.

Welche Themen behandeln Sie im Workshop «Internet und Recht»?

In diesem Workshop geht es um die Themen «Recht am eigenen Bild», «Cybermobbing», «Versenden von problematischen Bildinhalten» und «Sexuelle Belästigung im Internet». Neben der Wissensvermittlung betrachte ich die aktive Auseinandersetzung als besonders wichtigen Teil im Workshop. In Gruppenarbeiten setzen sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Themen auseinandersetzen, die wir dann im Plenum diskutieren. So entsteht ein lebendiger Austausch, von dem alle profitieren.

Weshalb braucht es denn diese Sensibilisierungsarbeit?

Wir stellen immer wieder fest, dass viele Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien zu wenig oder falsch informiert sind. Vor allem sexuelle Belästigung ist weit verbreitet. Viele wissen nicht, wie sie sich dagegen wehren können. Sexuelle Belästigung wird von Eltern oder Lehrpersonen oft nicht oder nur ungenügend thematisiert. Mit den Workshops wollen wir den Jugendlichen zeigen, wie sie sich gegen Unrecht wehren und strafbare Handlungen im Internet vermeiden können. Wir informieren die Teilnehmenden also auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach den Workshops kommt es oft zu Gesprächen, in denen Probleme angesprochen werden und ich versuche, zu unterstützen. Auch für mich ist es jedes Mal interessant zu sehen, was die einzelnen Themen bei den Jugendlichen auslösen.

“Selbst harmlos wirkende Spiele können Gefahren bergen.”

Thomas Schlittler, Prävention Stadtpolizei Zürich

Wie gestalten Sie die Workshops, um einen nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen?

Während den Gruppenarbeiten haben die Lernenden die Gelegenheit, sich über Fallbeispiele zu den Themen «Recht am eigenen Bild», «Cybermobbing», «Versenden von problematischen Bildinhalten» und «Sexuelle Belästigung im Internet» auszutauschen und Lösungsansätze zu erarbeiten. Dabei haben sie auch die Möglichkeit, im Internet zu recherchieren und sich auf diese Weise intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mögliche Fälle wären etwa: «In ihrem Klassen-Chat lesen Sie, dass bereits mehrmals eine Klassenkollegin geärgert, veräppelt, gedisst und schikaniert wird. Was würden Sie unternehmen?» oder «Jemand den Sie kennen, schickt Ihnen anzügliche und zweideutige Nachrichten oder Bilder zu. Auch nach der ersten Aufforderung dies zu unterlassen, hört es nicht auf. Wie gehen Sie vor?» Die Schüler:innen schätzen diese Auseinandersetzung. Da es sich nicht um erfundene Fälle handelt, schafft dies auch Vertrauen in unsere Präventionsarbeit.

“Cybermobbing, sexuelle Übergriffe und der Schutz persönlicher Daten sind Themen, die gerade in diesem Alter geübt werden müssen.”

Jan Rzejak, Leiter kaufmännische Grundbildung, Benedict Schule Zürich

Die Benedict Schule bietet seit 2016 die Workshops der Prävention der Stadtpolizei Zürich durch. Initiiert wurde die Zusammenarbeit von Jan Rzejak, Leiter kaufmännische Grundbildung der Benedict Schule Zürich. „Ziel der Workshops ist es, den Schülerinnen und Schülern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien zu vermitteln. Cybermobbing, sexuelle Übergriffe und der Schutz persönlicher Daten sind Themen, die gerade in diesem Alter geübt werden müssen", betont Jan Rzejak.

Wo haben die Jugendlichen Wissenslücken im Umgang mit den digitalen Medien?

Digitale Medien und soziale Netzwerke sind aus dem Leben junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Obwohl sie mit digitalen Medien aufgewachsen sind, machen sich viele zu wenig Gedanken darüber, was es für ihre Privatsphäre bedeutet, wenn sie ihre Daten veröffentlichen. Eine Aussage, die ich oft höre, ist: Wer interessiert sich schon für mich? Auch bei Games stelle ich Wissenslücken fest. Selbst harmlos wirkende Spiele können Gefahren bergen. Auf Spieleportalen oder in Game-Chats tummeln sich auch Pädokriminelle, die sich als professionelle Gamer ausgeben und Jugendlichen mehr Erfolg in Computerspielen versprechen. Genau hier setze ich an. Ich stelle Fragen, zeige Fallbeispiele oder frage, welche Erfahrungen sie bereits gemacht haben.

Wie steht es um das Wissen in den Bereichen Gewalt und Pornografie?

Die meisten wissen zwar, dass die Verbreitung von Gewaltdarstellungen und verbotener Pornografie strafbar ist. Nicht allen ist aber klar, wo diese Bilder oder Videos gespeichert werden und dass sie nach Erhalt sofort gelöscht werden müssen. Auch beim Thema sexuelle Belästigung stosse ich auf Unwissen. Viele wissen nicht, dass nicht nur körperliche, sondern auch verbale Belästigungen strafbar sein können. Und dass es auch strafrechtliche Massnahmen zur Folge haben kann, wenn jemand vor einer Person eine sexuelle Handlung vornimmt und diese sich dadurch belästigt fühlt.

“Im Internet ist es wie im richtigen Leben: Was dort verboten ist, ist auch online nicht erlaubt.”

Thomas Schlittler, Prävention Stadtpolizei Zürich

Wie kommen die Workshops bei den Jugendlichen an?

Die Jugendlichen sind in der Regel sehr engagiert und zeigen grosses Interesse. Bei den Gruppenarbeiten braucht es am Anfang oftmals eine Person, die den Lead übernimmt. Wenn die Gruppen Startschwierigkeiten haben, unterstütze ich mit Inputs, danach läuft es meistens gut. Die Jugendlichen schätzen es, dass sie auch Fragen zu anderen Themen stellen können. Ein Dauerbrenner sind Fragen zu Polizeikontrollen. Ich erkläre dann, welche Rechte und Pflichten beide Seiten haben.

Welche Tipps möchten Sie uns allen auf den Weg geben?

Im Internet ist es wie im richtigen Leben: Was dort verboten ist, ist auch online nicht erlaubt. Das Internet ist ein Werkzeug, mit dem strafbare Handlungen begangen werden können. Bei allem, was Sie auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Computer erhalten oder sehen, gilt: Erst denken, dann klicken und auf keinen Fall unter Zeitdruck handeln. Wichtig ist, dass diese Präventionsarbeit nicht nur einmal im Jahr stattfindet. Auch Lehrkräfte und Eltern sollten die Augen offen halten und das Gespräch mit den Jugendlichen suchen. Auch keinen Fall sollten diese Themen unter den Teppich gekehrt oder gar tabuisiert werden.

Thomas Schlittler arbeitet seit 30 Jahren bei der Stadtpolizei Zürich, davon neun Jahre in der Prävention. Dort verantwortet er den Fachbereich Digitale Medien. Seit 2016 führt er den Workshop «Internet und Recht» an der Benedict Schule Zürich durch.