Als einzige Frau zur Klassenbesten: Yasmin über ihre ICT-Grundbildung an der Benedict Schule.
Manal Yasmin Derrous war nicht nur die einzige Frau in ihrer Klasse, sondern schloss ihre ICT-Grundbildung auch als Klassenbeste ab. Im Interview erzählt sie, was sie auf ihrem Weg geprägt hat, was sie an der ICT begeistert und warum sie sich mehr junge Frauen in diesem Berufsfeld wünscht.
Unsere Absolventin Yasmin war nicht nur die einzige Frau in ihrer Klasse, sondern schloss im Juni 2026 ihre ICT-Grundbildung mit EFZ an der Benedict in Zürich auch als Klassenbeste ab. Eine besondere Leistung in einem Berufsfeld, in dem Frauen deutlich in der Minderheit sind: Bei der Ausbildung zur ICT-Fachfrau EFZ liegt der Frauenanteil bei gerade einmal 6 Prozent. Im Interview spricht Yasmin über ihren Weg in die ICT, ihre Erfahrungen während der Grundbildung und darüber, was mehr junge Frauen für einen Beruf in der ICT begeistern könnte.
Du hast deine ICT-Grundbildung erfolgreich abgeschlossen. Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, einen Beruf in der ICT zu wählen?
Die Informatik ist heute in fast allen Lebensbereichen unverzichtbar und hat eine grosse Zukunft. Die ICT umfasst so viele verschiedene Teilbereiche, in denen man ständig Neues lernt und wertvolle Erfahrungen sammelt. Das gibt einem ein klares Bild und hilft enorm bei der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Die Faszination hört nie auf, da sich Technologien immer weiterentwickeln, insbesondere im KI-Bereich.
Warum hast du dich für die Benedict Schule entschieden?
Ich wollte eine Schule, die nicht nur trockene Theorie vermittelt, sondern grossen Wert auf die praktische Anwendung legt. Zudem waren für mich der Standort und die gute Erreichbarkeit der Benedict Schule entscheidende Pluspunkte.
Was hat dich an der ICT besonders gereizt und wie reagierte dein Umfeld auf deine Berufswahl?
An der ICT hat mich vor allem die grosse Vielfalt der Bereiche fasziniert. Mein Interesse an der Informatik entwickelte sich bereits in der Sekundarschule, als ich mich für das Wahlfach Informatik entschied. Auch mein Umfeld und meine Familie reagierten sehr positiv auf meine Berufswahl. Sie waren stolz auf mich und haben mich von Anfang an bei meiner Entscheidung unterstützt.
Was hat dir während deiner ICT-Grundbildung besonders gefallen und welche Erfahrungen konntest du im Praktikum bei Benedict sammeln?
Besonders gefallen hat mir, das theoretische Wissen direkt in der Praxis anzuwenden. Während meines Praktikums bei Benedict konnte ich mich aktiv in den Berufsalltag einbringen und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Dadurch habe ich viel Selbstvertrauen in der IT-Welt gewonnen und gelernt, professionell aufzutreten. Besonders begeistert mich, dass man in der ICT-Branche die Zukunft aktiv mitgestalten kann – dabei wurde mir bewusst, dass dieser Beruf genau zu mir passt.
Wann wurde dir zum ersten Mal bewusst, dass Frauen in der ICT in der Minderheit sind?
Das ist mir eigentlich schon nach den ersten Monaten im Unterricht richtig bewusst geworden, als ich realisiert habe, dass ich die einzige Frau in der Klasse bin. Für mich war das jedoch kein grosses Thema. Manchmal wurde ich etwas anders wahrgenommen als meine männlichen Kollegen, aber im Alltag ist das kaum ins Gewicht gefallen. Und als einzige Frau habe ich schnell gelernt, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu sehen und dadurch meine eigenen Stärken zu entwickeln.
Du warst nicht nur die einzige Frau in deiner Klasse, sondern hast die Grundbildung auch als Klassenbeste abgeschlossen.
Dieser Erfolg bedeutet mir extrem viel. Er ist das Resultat eines langen, herausfordernden Weges, den ich durch meinen eigenen Einsatz und dank der grossen Unterstützung meines Umfelds erfolgreich meistern konnte. Gerechnet habe ich damit zu Beginn absolut nicht.
ICT-Grundbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ) an der Benedict Schule.
Aufbau:
- 1.5 Jahre Schulunterricht, 1.5 bezahltes Praktikum und Prüfungsvorbereitung
Dauer:
- 3 Jahre
Abschluss:
Aufgaben als ICT-Fachfrau EFZ / ICT-Fachmann EFZ:
- Erste Ansprechperson bei PC- und Netzwerkproblemen
- IT-Support und Sicherstellung eines reibungslosen IT-Alltags
- Unterstützung von Benutzerinnen und Benutzern
- Installation und Wartung von ICT-Geräten und Anwendungen
- Zusammenarbeit mit IT-Spezialistinnen und -Spezialisten
- Unterstützung bei IT-Projekten
- Kommunikative und lösungsorientierte Arbeitsweise
Warum entscheiden sich deiner Meinung nach noch immer wenige junge Frauen für eine ICT- oder Informatikausbildung?
Möglicherweise liegt es daran, dass es noch immer zu wenige weibliche Vorbilder gibt und junge Frauen fälschlicherweise das Gefühl haben, dieser Bereich passe nicht zu ihnen. Ich hatte das grosse Glück, durch meine Mutter einen direkten Einblick zu erhalten, da sie in ihrer Jugend ebenfalls Informatik studiert hat. Persönlich bin ich während meiner Ausbildung nie mit direkten Klischees konfrontiert worden, aber Vorurteile oder falsche Bilder in den Köpfen gibt es natürlich immer.
Welche Fähigkeiten braucht es deiner Meinung nach für einen ICT-Beruf, die Aussenstehende vielleicht gar nicht erwarten würden?
Meiner Meinung nach braucht es für einen ICT-Beruf vor allem Lernwille, Disziplin, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit. Da sich Technologien ständig weiterentwickeln, ist es wichtig, offen für Neues zu sein und sich laufend neues Wissen anzueignen. Gleichzeitig braucht es viel Geduld und Ausdauer, denn nicht jedes Problem lässt sich sofort lösen. Gerade bei schwierigen Aufgaben ist es entscheidend, dranzubleiben, verschiedene Lösungswege auszuprobieren und nicht zu schnell aufzugeben.
Was müsste sich verändern, damit sich mehr junge Frauen für eine ICT-Ausbildung entscheiden?
Ich vermute, dass die ICT-Ausbildung für junge Frauen transparenter und greifbarer vermittelt werden müsste. Oft ist vielleicht nicht klar, was ICT genau bedeutet, welche Aufgaben man in diesem Bereich übernimmt und wie vielfältig die verschiedenen Tätigkeiten sind. Wenn junge Frauen einen besseren Einblick in den Berufsalltag und die verschiedenen Möglichkeiten innerhalb der ICT erhalten, könnten sie sich eher ein konkretes Bild davon machen und herausfinden, ob eine solche Ausbildung zu ihnen passt.
Welche beruflichen Pläne hast du nach deiner Grundbildung?
Ich spiele mit dem Gedanken, eine Weiterbildung zu machen oder ein Studium zu beginnen. Welchen Weg ich genau einschlagen möchte, habe ich allerdings noch nicht endgültig entschieden. Nun möchte ich schauen, welche Möglichkeiten am besten zu meinen Interessen und Zielen passen.
Wenn wir uns in fünf Jahren nochmals unterhalten: Wo möchtest du dann stehen?
In fünf Jahren möchte ich an einem Punkt stehen, an dem ich Verantwortung für mich selbst übernehmen und mein Leben eigenständig gestalten kann. Dazu gehört für mich zum Beispiel, finanziell unabhängig zu sein und meine eigenen Entscheidungen treffen zu können. Mir ist wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen und meinen weiteren Weg selbst bestimmen zu können.
Yasmin Manal Derrous (*2005 in Zürich) absolvierte nach der Sekundarschule die Grundbildung zur ICT-Fachfrau mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) an der Benedict Schule in Zürich. Im Juni 2026 schloss sie ihre Ausbildung erfolgreich ab – als Klassenbeste.