20 Jahre MPA-Ausbildung an der Benedict Schule – Ein Gespräch mit der Dozentin Laura Costanzo.
Seit 20 Jahren begleitet Laura Costanzo junge Menschen auf ihrem Weg in den Beruf als medizinische:r Praxisassistent:in. Ihre eigene MPA-Grundbildung absolvierte sie ebenfalls an der Benedict Schule – heute gibt sie ihr Wissen und ihre Erfahrung als Dozentin und Praktikumsbetreuerin an der Benedict Schule St. Gallen weiter. Dabei erlebt sie hautnah, wie sich Ausbildung, Berufsbild und die junge Generation verändern. Ein Gespräch über Motivation, Verantwortung und echte Erfolgsgeschichten.
Laura Costanzo ist seit 2005 Dozentin an der Benedict Schule St. Gallen. In der MPA-Grundbildung mit EFZ begleitet sie angehende medizinische Praxisassistent:innen sowohl im Unterricht als auch auf ihrem Weg vom Schulalltag in die Praxis. Mit viel Engagement und Herzblut setzt sie sich für eine praxisnahe und qualitativ hochwertige Ausbildung ein. Im folgenden Gespräch spricht sie über ihre Motivation, die Entwicklung des MPA-Berufs und ihre Arbeit mit der jungen Generation.
Was begeistert Sie an Ihrer Tätigkeit im Bildungsbereich?
Ich arbeite mit Menschen, mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten, und muss dabei flexibel und kreativ in der Lösungsfindung bleiben. Nach dem Motto: Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen. Es gibt mir ein tiefes Gefühl von Sinnhaftigkeit, Menschen auf ihrem Bildungsweg zu begleiten. Die Möglichkeit, Wissen zu vermitteln und die Zukunft mitzugestalten, erfüllt mich sehr. Nebst den Lernerfolgen der Schüler:innen erfüllt mich auch die Anerkennung und Wertschätzung, die ich von ihnen erhalte. Das Erleben der persönlichen Entwicklung jeder einzelnen Person macht mich beruflich wie auch privat sehr glücklich.
Wie hat sich die Benedict Schule verändert und was schätzen Sie besonders an Ihrer Tätigkeit hier?
Wenn ich 20 Jahre zurückblicke, sehe ich eine Schule, die sich stetig weiterentwickelt und mit der Zeit geht. Das Bildungswesen wandelt sich schnell, deshalb sind Flexibilität und Offenheit entscheidend. Ein zentrales Thema ist die Digitalisierung – also der gezielte Einsatz digitaler Technologien sowie die Anpassung der Infrastruktur und der pädagogischen Konzepte an die digitale Welt. Spätestens seit Corona wissen wir zudem, dass wir auch als Schule krisenfest sind. Besonders schätze ich unser familiäres Team und die offene Kommunikationskultur. Wir ziehen alle am gleichen Strang, stehen im regelmässigen Austausch und haben als Dozierende viel kreative Freiheit in der Unterrichtsgestaltung – das kommt letztlich unseren Schülerinnen und Schülern zugute.
“Mein Beruf ist meine Berufung, und ich übe ihn mit viel Leidenschaft und Engagement aus.”
Laura Costanzo, Dozentin an der Benedict Schule in St. Gallen
Wie gestalten Sie Ihren Unterricht und was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Ich lege besonderen Wert auf ein harmonisches Klassenklima; mir ist eine persönliche und wertschätzende Beziehung zu den Klassen wichtig. Der Unterricht soll möglichst kreativ, aber auch methodisch vielfältig sein. Mir ist es zudem wichtig, als Dozentin individuell zu beraten und Hilfestellung zu geben, auch über die reguläre Unterrichtszeit hinaus. Mein Beruf ist meine Berufung, und ich übe ihn mit viel Leidenschaft und Engagement aus. Es ist mir wichtig, dass meine Schülerinnen und Schüler in die Materie eintauchen können und nicht einfach die Schulbank drücken und rein auswendig lernen. Vernetztes Denken sowie ein aufbauender, fächerübergreifender Unterricht sind dabei zentrale Elemente.
Sie sind neben Ihrer Tätigkeit als Dozentin auch Praktikumsbetreuerin der MPA-Lernenden. Welche Aufgaben übernehmen Sie in dieser Rolle?
Ich unterstütze die angehenden medizinischen Praxisassistent:innen bei der Praktikumssuche. Zunächst versuche ich, die einzelnen Lernenden mit all ihren Facetten, Stärken und Talenten kennenzulernen. Das hilft mir, gemeinsam mit ihnen einen geeigneten Praktikumsplatz zu finden. Auch das Coaching beim Bewerbungsschreiben und beim Erstellen der Lebensläufe ist Teil der Betreuung. Anfang des dritten Semesters beginnt dann die aktive Bewerbungsphase mit Vorstellungsgesprächen und Schnuppereinsätzen.
Wie erleben Sie diese Phase gemeinsam mit den Lernenden?
Ja, es ist eine spannende Zeit, insbesondere für die Schülerinnen und Schüler, die mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen konfrontiert werden. Der «Ernst» des Lebens rückt näher – ebenso die Gewissheit, dass es bald auf die Qualifikationsverfahren (QV) zugeht. Ab diesem Zeitpunkt stehe ich dann als Praxiscoach individuell für alle zur Verfügung. Ich berate und betreue vor allem in Einzelgesprächen – auch während des einjährigen Praktikums. Hier kann offen über allfällige Probleme oder Optimierungsmöglichkeiten gesprochen werden, sowohl mit den Praktikantinnen als auch mit den Ausbildungsbetrieben. Zum Glück erleben wir mehrheitlich viel Positives. Sollte es dennoch Probleme geben, zeigen wir uns lösungsorientiert und versuchen mit geeigneten Zielvereinbarungen, die Situation zu verbessern, sodass alles wieder auf den richtigen Kurs kommt.
MPA-Grundbildung bei Benedict
Die dreijährige Grundbildung als medizinische:r Praxisassistent:in EFZ an der Benedict Schule St. Gallen ist eine vollwertige Alternative zur klassischen MPA-Lehre. Im schulischen Teil erwerben die Lernenden ein fundiertes theoretisches Wissen, das sie anschliessend während eines einjährigen Vollzeitpraktikums in einer Arztpraxis vertiefen. Gleichzeitig lernen sie, medizinische Zusammenhänge ganzheitlich zu verstehen und bereiten sich so optimal auf das Qualifikationsverfahren (QV) vor. Die Ausbildung schliesst – wie eine konventionelle Berufslehre – mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab.
Welches Feedback erhalten Sie von den Praktikumsbetrieben?
Wir dürfen stolz sagen, dass wir jedes Jahr zahlreiche positive Rückmeldungen aus den Praxen erhalten. Unsere Schüler:innen bringen nach der zweijährigen Ausbildung bereits viel praktisches und theoretisches Wissen mit, was von den Ausbildungsbetrieben sehr geschätzt wird. Natürlich erreicht mich auch konstruktive Kritik, mit der wir lösungsorientiert umgehen, sodass es für Lernende und Praxen stimmig bleibt. Dank unseres gewachsenen Netzwerks finden unsere Schülerinnen und Schüler in der Regel zeitnah eine Praktikumsstelle. Viele Praxen arbeiten seit Jahren mit uns zusammen, und gleichzeitig freuen wir uns über neue Betriebe, die Interesse an unseren Lernenden zeigen.
“Unsere Lernenden bringen nach einer zweijährigen Ausbildung bereits viel Vorwissen mit.”
Laura Costanzo, Praktikumsbetreuerin an der Benedict Schule in St. Gallen
Welche Erfolgsgeschichten ehemaliger Lernender haben Sie besonders berührt?
Manchmal bleibt der Kontakt zu den Lernenden bestehen, und es ist immer wieder beeindruckend und schön zu hören, was ehemalige Schülerinnen und Schüler zu berichten haben – sowohl beruflich als auch privat. Beruflich durfte ich schon einige Erfolgsgeschichten mitverfolgen. Zum Beispiel eine bei uns ausgebildete medizinische Praxisassistentin, die danach die BM2 absolviert hat und nach der Passerellenprüfung nun Medizin studiert. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch eine Postkarte, die ich von einer ehemaligen Schülerin erhalten habee, die erfolgreich auf einem Kreuzfahrtschiff als MPA gearbeitet und nebenbei die Welt bereist hat. Diese Erfolgsgeschichten sprechen für die hohe Qualität unserer Ausbildungslehrgänge.
Als Betreuerin sind Sie nah an der jungen Generation. Wie nehmen Sie die heutige Jugend wahr?
Die Jugend von heute ist trotz globaler Krisen oft pragmatisch und optimistisch in Bezug auf die eigene Zukunft. Sie legt grossen Wert auf soziale Beziehungen und zeigt sich engagiert und leistungsbereit. Ich bin Mutter von zwei Jugendlichen und profitiere sowohl privat als auch beruflich vom Austausch mit meinen Schülerinnen und Schülern. Ihre Ansichten und Ideen bereichern mein Leben sehr.
Typische Aufgaben von medizinischen Praxisassistent:innen EFZ
- Empfang und Betreuung von Patientinnen und Patienten
- Terminplanung und Organisation des Praxisalltags
- Assistenz bei Untersuchungen und Behandlungen
- Durchführung von Laborarbeiten (z. B. Blutentnahmen, Urinanalysen)
- Röntgenaufnahmen (mit entsprechender Bewilligung)
- Messen von Vitalwerten wie Blutdruck oder Puls
- Verabreichen von Injektionen und Impfungen nach ärztlicher Anordnung
- Administrative Aufgaben wie Leistungserfassung, Abrechnung und Korrespondenz
- Sicherstellen von Hygiene- und Qualitätsstandards in der Praxis
Wie hat sich der MPA-Beruf in den letzten Jahren entwickelt und welche Perspektiven eröffnen sich nach der Grundbildung?
Der MPA-Beruf hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Die Aufgabenbereiche sind vielfältiger geworden, Spezialisierungen haben zugenommen, und auch neue Karrierewege sind entstanden. Durch die Digitalisierung und veränderte Anforderungen in der Praxisorganisation sind neben medizinischem Fachwissen zunehmend auch organisatorische und betriebswirtschaftliche Kompetenzen gefragt. Gleichzeitig sind die Berufschancen sehr gut, da eine hohe Nachfrage nach qualifizierten medizinischen Praxisassistent:innen besteht. Auch die Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sind vielfältig.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Was steht bei Ihnen als Nächstes an?
Ich werde meine Tätigkeit als Dozentin und Praktikumsbetreuerin weiterhin mit viel Leidenschaft, Freude und Herzblut ausüben. Ob ich mich zusätzlich weiterbilde, steht noch in den Sternen. Wichtig ist mir, mit der Zeit zu gehen und kreativ sowie offen für Neues zu bleiben.
Laura Costanzo-Küffer ist Dozentin und Praktikumsbetreuerin an der Benedict Schule St. Gallen. Ihre Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin EFZ absolvierte sie an der Benedict Schule St. Gallen und schloss diese im Jahr 2004 erfolgreich ab.
Anschliessend bildete sie sich zur Erwachsenenbildnerin weiter und absolvierte ein Studium zur Lern- und Gesprächstherapeutin. Dank ihrer fachlichen Qualifikationen und ihrer langjährigen Erfahrung begleitet sie ihre Studierenden kompetent und praxisnah auf ihrem Ausbildungsweg.
Laura Costanzo-Küffer ist glücklich verheiratet und Mutter von zwei Kindern im Alter von 11 und 13 Jahren.
Häufig gestellte Fragen zur MPA-Ausbildung mit EFZ.
Wie lange dauert die MPA-Ausbildung mit EFZ?
Die Ausbildung dauert drei Jahre.
Wo kann die Ausbildung absolviert werden?
Die Ausbildung wird an der Benedict Schule in St. Gallen angeboten.
Wann startet die MPA-Ausbildung?
Die Ausbildung startet - wie eine Lehre auch - jeweils im August.
Mit welchem Abschluss wird die Ausbildung abgeschlossen?
Nach erfolgreichem Abschluss erlangen die Lernenden das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ).
Besucht man während der Ausbildung immer die Schule?
Nein, die Ausbildung beinhaltet nebst dem schulischen Unterricht auch einen praktischen Teil. In den letzten zwei Semestern absolvieren die Lernenden deshalb ein bezahltes Praktikum und wenden das Gelernte in einer Praxis an.
Was lernt man während der MPA-Ausbildung?
- Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse (Physik, Chemie, Mathematik)
- Medizinische Assistenz mit Nothelfer- und Herzmassagekurs
- Kommunikation und Gesprächsführung
- Labordiagnostik
- Bildgebende Diagnostik
- Anatomie, Biologie und Krankheitskunde
- Medizinische Terminologie
- Allgemeinbildung
- Informatik
- Textverarbeitung
- Administration und Organisation
- Deutsch
- Englisch
Was sind typische Aufgaben von medizinischen Praxisassistentinnen?
- Empfang und Betreuung von Patientinnen und Patienten
- Diagnostische und therapeutische Tätigkeiten
- Organisation und Administration
- Hygiene und Sterilisation
- Erste Hilfe und Notfallmanagement
Wie viel verdient man als medizinische Praxisassistentin EFZ?
Eine MPA verdient durchschnittlich 67‘589 Franken.
Ist eine konventionelle MPA-Lehre nicht besser?
Nein, denn nach der Ausbildung bei Benedict hast du dieselben Chancen wie nach einer Berufslehre. An der Benedict Schule lernst du dasselbe, du wendest ebenfalls das Gelernte in der Praxis an und schliesst ebenso mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. Ausserdem dauert die Ausbildung gleich lang wie die Berufslehre.
Viele Lernenden schätzen es übrigens, dass sie sich in den ersten beiden Jahren auf den Schulunterricht konzentrieren können und erst am Schluss das Vollzeitpraktikum absolvieren.
Welche Grundbildungen bietet die Benedict Schule sonst noch an?
Die Benedict Schule bietet insgesamt vier Grundbildungen an:
MPA EFZ
Hat man nach dem EFZ Weiterbildungsmöglichkeiten?
Ja! Es gibt verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten. Zum Beispiel:
- Spezialisierungen in Bereichen wie der Röntgentechnik oder Laboruntersuchungen, zum Beispiel Erweiterte konventionelle Aufnahmetechniken (EKA)
- Dipl. med. Chefarztsekretär:in
- Dipl. med. Praxisleiter:in
- Diverse Berufsprüfungen mit eidgenössischem Fachausweis und höhere Fachprüfungen (HFP)
Kann ich die Kurskosten in Raten bezahlen?
Ja. Die Benedict Schulen bieten flexible Ratenzahlungen an. Es stehen zudem Darlehenslösungen zur Verfügung.