KI im Berufsalltag – Welche Fähigkeiten werden jetzt wichtig?

Künstliche Intelligenz schreibt E-Mails, analysiert Daten, erstellt Präsentationen und unterstützt bei der Programmierung. Was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, gehört heute in vielen Unternehmen bereits zum Arbeitsalltag. Doch was bedeutet diese Entwicklung für unsere beruflichen Fähigkeiten? Welche Kompetenzen werden wichtiger – und welche bleiben trotz KI unverzichtbar?

    Wenn KI zur Arbeitskollegin wird.

    Ob im Büro, im Marketing, in der Informatik oder in der Administration: Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Art und Weise, wie wir arbeiten. Programme wie ChatGPT können Texte formulieren, Informationen strukturieren und Ideen liefern. Andere KI-Anwendungen helfen bei der Auswertung grosser Datenmengen, automatisieren wiederkehrende Aufgaben oder unterstützen bei komplexen technischen Problemen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um grosse Technologieunternehmen. Auch kleinere und mittlere Betriebe entdecken zunehmend, wie sie KI sinnvoll einsetzen können.

    So verändert KI verschiedene Berufsfelder.

    Nicht jede Branche und nicht jeder Beruf ist gleich stark von künstlicher Intelligenz betroffen. Dennoch lassen sich bereits heute zahlreiche Einsatzmöglichkeiten erkennen.

    • Büro und Administration – Weniger Routine, mehr Überblick.

    E-Mails beantworten, Dokumente erstellen, Termine koordinieren oder Informationen aufbereiten: Viele administrative Tätigkeiten lassen sich durch KI vereinfachen. Das bedeutet allerdings nicht, dass kaufmännische Fachkräfte überflüssig werden. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt jedoch beim Menschen. Wer administrative Prozesse versteht, Informationen zuverlässig beurteilen und digitale Werkzeuge effizient einsetzen kann, bringt wichtige Voraussetzungen für die Arbeitswelt der Zukunft mit.

    • Marketing – Kreativität trifft Technologie.

    Im Marketing unterstützt künstliche Intelligenz beispielsweise bei der Ideenfindung, bei Social-Media-Beiträgen, bei der Erstellung von Werbetexten oder bei der Analyse von Zielgruppen. Doch ein KI-generierter Text ist noch lange keine erfolgreiche Kampagne. Es braucht Menschen, die ihre Zielgruppe kennen, eine Markenbotschaft entwickeln und beurteilen können, welche Inhalte tatsächlich überzeugen. KI kann kreative Prozesse beschleunigen. Eine durchdachte Strategie und ein Gespür für Menschen ersetzt sie damit nicht.

    • Informatik – Unterstützung beim Programmieren.

    Auch in der Informatik entstehen neue Möglichkeiten. KI-Anwendungen können Programmcode vorschlagen, Fehlerquellen aufzeigen oder technische Dokumentationen erstellen. Für Informatikerinnen und Informatiker wird es deshalb zunehmend wichtig, KI-generierte Lösungen kritisch zu überprüfen. Denn nicht jeder vorgeschlagene Code ist korrekt, sicher oder für ein bestimmtes System geeignet. Fundiertes technisches Wissen bleibt entscheidend, um Probleme zu verstehen und zuverlässige Lösungen zu entwickeln.

    “KI wird die Menschen nicht ersetzen. Aber möglicherweise werden Menschen, die KI nutzen, diejenigen ersetzen, die es nicht tun.”

    Andrew Ng, KI-Forscher

    Diese fünf Fähigkeiten gewinnen an Bedeutung.

    Wer sich auf eine zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt vorbereiten möchte, sollte nicht nur einzelne Programme kennenlernen. Besonders wertvoll ist eine Kombination aus digitalen, fachlichen und persönlichen Kompetenzen.

    • Digitale Kompetenz.

    Digitale Kompetenz bedeutet mehr, als ein Computerprogramm bedienen zu können. Dazu gehört auch, neue Anwendungen zu verstehen, ihre Möglichkeiten einzuschätzen und sie sinnvoll in bestehende Arbeitsprozesse einzubinden. Wer bereit ist, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, kann Veränderungen im Berufsalltag aktiver mitgestalten.

    • Kritisches Denken.

    Künstliche Intelligenz kann überzeugend formulierte Antworten liefern, die trotzdem Fehler enthalten. Deshalb wird es immer wichtiger, Informationen zu hinterfragen, Quellen zu überprüfen und Ergebnisse nicht ungeprüft zu übernehmen. Gerade bei rechtlichen, finanziellen oder sensiblen geschäftlichen Informationen ist ein sorgfältiger Umgang unverzichtbar.

    • Kommunikationsfähigkeit.

    Auch wenn Tools wie ChatGPT Texte schreiben oder Gespräche vorbereiten können, bleibt die zwischenmenschliche Kommunikation zentral. Gerade Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Konfliktlösung gewinnen an Bedeutung. Kundengespräche führen, Konflikte lösen, Bedürfnisse erkennen oder komplexe Sachverhalte verständlich erklären: Solche Situationen verlangen Erfahrung und ein gutes Gespür für das Gegenüber.

    • Kreativität und Problemlösung.

    KI kann Vorschläge machen und verschiedene Lösungswege aufzeigen. Welche Idee sinnvoll ist und wie sie umgesetzt werden soll, hängt jedoch vom jeweiligen Kontext ab. Menschen, die Zusammenhänge erkennen, neue Perspektiven einbringen und eigenständig Lösungen entwickeln, leisten deshalb weiterhin einen wichtigen Beitrag.

    • Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit.

    Vielleicht ist dies eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt: die Bereitschaft, Neues zu lernen. Technologien entwickeln sich weiter, Berufsbilder verändern sich und neue Aufgaben entstehen. Wer offen bleibt und sein Wissen regelmässig erweitert, schafft gute Voraussetzungen, um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten.

    KI-Kompetenzen gezielt ausbauen.

    Künstliche Intelligenz ist längst im Bildungsalltag angekommen. Deshalb sind KI-Module in den Aus- und Weiterbildungen der Benedict sowie der BBS/BVS fest im Unterricht verankert. Die Absolvent:innen setzen sich praxisnah mit den Möglichkeiten und Herausforderungen künstlicher Intelligenz auseinander und lernen, wie sie KI-Tools sinnvoll, effizient und verantwortungsbewusst im Berufsalltag einsetzen können.

    Wer sich vertiefter mit der Anwendung von KI beschäftigen und seine Kenntnisse gezielt erweitern möchte, findet bei Benedict die passenden Weiterbildungen:

    Muss jetzt jeder KI-Experte werden?

    Die kurze Antwort lautet: Nein. Nicht jede Berufstätige und jeder Berufstätige muss verstehen, wie KI-Modelle programmiert werden. Viel wichtiger ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der Technologie im eigenen Tätigkeitsbereich zu kennen. Dazu gehört beispielsweise, einer KI klare Aufgaben zu stellen, die Ergebnisse zu überprüfen und verantwortungsvoll mit Daten umzugehen. Vertrauliche Kundeninformationen oder interne Geschäftsdokumente sollten nicht ohne entsprechende Freigabe in öffentlich zugängliche KI-Anwendungen eingegeben werden. Gleichzeitig bleibt solides Fachwissen die Grundlage. Wer die eigenen Arbeitsprozesse versteht, kann besser beurteilen, wo künstliche Intelligenz tatsächlich einen Mehrwert bietet.

    Weiterbildung als Schlüssel zur Arbeitswelt von morgen.

    Die Veränderungen durch künstliche Intelligenz zeigen, wie wichtig kontinuierliche Weiterbildung geworden ist. Dabei muss es nicht immer eine umfassende berufliche Neuorientierung sein. Bereits gezielte Weiterbildungen in Informatik, Wirtschaft, Management oder digitalen Anwendungen können helfen, bestehende Kompetenzen zu vertiefen und neue Fähigkeiten aufzubauen. Wie entscheidend der Umgang mit neuen Technologien ist, bringt der renommierte KI-Forscher Andrew Ng auf den Punkt. In einem Vortrag im Jahr 2024 erklärte er: «KI wird die Menschen nicht ersetzen. Aber möglicherweise werden Menschen, die KI nutzen, diejenigen ersetzen, die es nicht tun.» Dabei bleibt fundiertes Fachwissen ebenso wichtig wie menschliche Fähigkeiten: Kommunikation, kritisches Denken und Führung lassen sich nicht einfach durch Technologie ersetzen. Wer diese Kompetenzen mit einem sicheren Umgang mit KI verbindet, ist gut auf die Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt vorbereitet.

    Fazit – Die Zukunft gehört den Lernbereiten.

    Künstliche Intelligenz wird unseren Berufsalltag weiter verändern. Sie kann Routinearbeiten erleichtern, neue Möglichkeiten eröffnen und uns bei anspruchsvollen Aufgaben unterstützen. Doch Technologie allein macht noch keine gute Fachkraft aus. Entscheidend bleibt, wie Menschen ihr Wissen einsetzen, Probleme lösen, Verantwortung übernehmen und mit anderen zusammenarbeiten. Wer fachliche Kompetenz mit digitalem Verständnis, kritischem Denken und Lernbereitschaft verbindet, ist gut aufgestellt, um die Chancen der KI zu nutzen. Die wichtigste Fähigkeit für die Arbeitswelt von morgen ist deshalb vielleicht nicht, alles zu wissen – sondern bereit zu sein, immer wieder dazuzulernen.

    Autor:in

    Julia Martinez

    Julia Martinez ist seit Februar 2022 als Digital Content Managerin an der Benedict in Zürich tätig. Bevor sie ihren Master of Arts in Publizistik erlangte, verdiente sie sich ihre Brötchen u.a. als Buchumschlagsgestalterin, als Bildredakteurin und im Filmverleih. Nach beruflichen Boxenstopps in den Bereichen Video, Text und Fotografie gab sie 2017 dem Schreiben endgültig das Ja-Wort.

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